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I) Demographische Trends in Europa Dr. Thomas Fent, (Institut für Demographie Österreichische Akademie der Wissenschaften) zeigt in seinem Vortrag zunächst eine Übersicht über folgende Punkte: - Bevölkerungsentwicklung, Altersstruktur, Fertilität, Mortalität
- Wanderungen bzw. Migration und deren wirtschaftliche Grundlagen und folgert aus diesen allgemeinen Überlegungen für Europa auch für die Zukunft:
- Niedrige Fertilität, steigende Lebenserwartung
- Alternde und schrumpfende (Erwerbs) Bevölkerung, mit entsprechenden wirtschaftlichen, sozialen, gesundheitlichen, gesellschaftlichen und kulturelle Auswirkungen.
Unter diesen Annahmen gewinnt die Migration (speziell aus dem türkischen Raum, der als einziger in Europa eine diesem Trend entgegenlaufende Entwicklung zeigt) eine zunehmende Bedeutung. Ebenso empfiehlt er auf politischer und gesellschaftlicher Ebene eine Flexibilisierung des "Alters" Begriffs.
II) Kassandra und ihre Bevölkerungsprognosen, Dr. Reinhard Meier,(Redaktor, Neue Zürcher Zeitung, Zürich) empfiehlt im Gegensatz dazu eine weniger "aufgeregte" Haltung gegenüber den existierenden positiven bzw. negativen Extremszenarien, die sich im Verlauf der Zeit mit Regelmässigkeit abwechselten und in erster Linie politischen Zielen dienten. Obwohl er die Existenz der Bevölkerungsproblematik und deren Auswirkung auf ein veraltendes Europa keineswegs verneint, vertraut er auf die Integrationskräfte und die Lern- und Entwicklungsfähigkeit sowohl Europas als auch der migrierenden Völker und beurteilt diesen Vorgang als Chance III) Welche ethischen Werte spielen für uns (Deutsche/Europäer) eine besondere Rolle Prof.(emritus) Dr. Johannes Gründel beschreibt ein religiös geprägtes, europäisches Wertesystem anhand von 6 grundlegenden Thesen: - Ethische Fragen haben universale Bedeutung und wir setzen in unserer Gesellschaft den eigenverantwortlichen, mündigen Bürger voraus. In unserer pluralen Gesellschaft ist die Kenntnis der Wertvorstellungen aller Mitbürger für gegenseitige Toleranz und für ein friedvolles Zusammenleben wichtig. Dabei ist diese aktive Toleranz nicht ein bloßes desinteressiertes gelten lassen sondern fordert uns auf zu Beurteilung und kritischer Wertschätzung.
- Ein ernsthafter Dialog zwischen Vertretern verschiedener Wertvorstellungen (und Ethiken)ist nicht möglich, wenn sich einzelne Gruppen dem rationalen Dialog entziehen.
- Es gibt einen Grundbestand ethischer Forderungen, der grundsätzlich anerkannt und gesetzlich, auch auf internationalem und politischem Niveau (UN), geschützt werden muß: Grundwerte
- Grundrechte - Menschenrechte- Würde des Menschen als Person und als Gemeinschaftswesen.
- Eine letzte Verbindlichkeit sittlicher Werte und Normen lässt sich nicht aufzeigen, wenn sich eine Ethik gegenüber der Transzendenz (Metaphysik) grundsätzlich verschließt.
- Eine religiöse Verankerung menschlicher Verantwortung erscheint für das sittliche Verhalten von positiver Bedeutung. Doch setzt dies voraus, dass sich Religion nicht abschottet gegenüber einer Ideologiekritik. Sie wird sonst selbst zur Ideologie.
IV) Was erwartet uns in einer entpopularisierten Gesellschaft - am Beispiel Ostdeutsche Bundesländer Prof. Dr. phil. Christian Reutlinger, (Hochschule für angewandte Wissenschaften, St. Gallen/Rorschach) kommentiert thesenförmig vier gravierende Fragen: - Können sich Gesellschaften entpopularisieren und Regionen schrumpfen?
These: Die Übereinstimmung von Flächenraum und sozialem Raum scheint sich in doppelter Hinsicht zu relativieren: Auf der einen Seite kommt es zu einem "Aufstapeln" von Sozialen Räumen….Auf der anderen Seite spannen sich Soziale Räume zunehmend "pluri-lokal zwischen und über verschiedene Flächenräume" auf (Pries 2000 S. 52).
- Sterben wir Schweizer, Deutschen und Österreicher aus?
These: Die Deutschen, Schweizer, Österreicher werden weniger, das scheint ausser Frage zu stehen. Ist es nicht einfach natürlich, dass etwas wächst, einen Höhepunkt erreicht und dann weniger wird? Nimmt man dagegen eine globale Perspektive ein, so werden die Menschen immer mehr.
- Wer zieht weg und wer bleibt in den strukturschwachen Regionen?
These: Migration scheint sich zu feminisieren. Es bildet sich eine neue, männlich dominierte Unterschicht heraus. Neben der Maskulinisierung der Bevölkerung vollzieht sich die zunehmende Alterung im Zeitraffer. Der Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen hat sich in den ostdeutschen Bundesländern in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt.
- Was sind die Konsequenzen der massiven strukturellen Veränderung für die Wertegemeinschaft?
These: Die verbleibenden Gruppen, wie Kinder, Alte und Benachteiligte…..entsprechen überhaupt nicht dem Menschenbild einer auf Flexibilität bauenden global agierenden Wirtschaft. Es braucht eine Form des Transfers. Will man diese Transferleistung überhaupt noch bezahlen. Hier ist die Politik gefragt. V) Demographische Entwicklung: Wie lässt sich unser Gesundheitswesen in der Zukunft noch finanzieren Dr. Dieter Jung, (Gründer und Inhaber der Jung Gruppe, München) zeigt in seinem Vortrag, dass in Zukunft sicherlich höhere Aufwendungen nötig sind, um die Qualität unserer medizinischen Versorgung aufrecht zu erhalten. Bereits jetzt fallen 80% der Kosten jedes Versicherten in dessen letzten drei Lebensjahren an. Die Aufteilung der Gesamtausgaben in Deutschland von ca. 150 Mrd. € weist nur einen Anteil von ca. 15% für Arzneimittel auf, der Löwenanteil kommt aus dem Behandlungs- und Pflegebereich. Hier wagt sich die Politik aber kaum heran. Dagegen stehen die Pharmaindustrie und deren Lobby am öffentlichen Pranger. Für Innovationen wären wegen der langen Prüfzeiten längere Patentlaufzeiten nötig, auf der anderen Seite wird aber politisch versucht, die jährlichen Gewinne bei neuen Medikamenten zu reglementieren. Der Vergleich mit einem vorwiegend privat finanzierten System mit unzureichender Grundversorgung wie in USA zeigte, dass dort heute schon pro Kopf mehr für die Gesundheit ausgegeben wird als bei uns. Der gewünschte medizinische Fortschritt und der politische Wunsch, diesen einer breiten Basis zukommen zu lassen wird sich in Zukunft nur durch mehr Eigenverantwortung der Versicherten finanzieren lassen. VI) Der Vorteil der Schweiz im demographischen Wettbewerb Dr. Boris Zürcher, (Chefökonom und Mitglied der Geschäftsleitung, Avenir Suisse) beschreibt in seinem Vortrag die historischen Wurzeln des komparativen Wettbewerbsvorteils der Schweiz gegenüber anderen Ländern. Trotz dieser Vorteile leidet die Schweiz aber heute unter den gleichen demografischen Verwerfungen wie andere europäische Länder, nämlich sehr niedrigen Geburtenraten und einer zunehmenden Veralterung der Gesellschaft. Die wirtschaftliche und politische Stabilität der Schweiz, hat während der letzten Jahrzehnte ausreichend Einwanderer angezogen um den Geburtenrückgang seit den 60ger Jahren auszugleichen. Durch eine restriktive und selektive Einwanderungspolitik konnten dabei mögliche negative gesellschaftliche und politische Folgen abgemildert werden. Derzeit besteht ein wesentlicher Vorteil der Schweiz in dem vergleichsweise sehr hohen Anteil der Erwerbsbevölkerung, der unter anderem durch eine wesentlich flexiblere Handhabung des Kündigungsschutzes erreicht wird. Zusammen mit einem frühen Herausstellen der Bedeutung von Eigenverantwortlichkeit für Alter und Krankheit, führte dies zu einer deutlich besseren Situation der Sozialkassen. Trotzdem erscheint auf längere Sicht auch in der Schweiz eine langsame Erhöhung des Rentenalters notwendig.
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